Kastrationsaktion in Rumänien am 13. und 14. Oktober 2017

Knapp 1 ½ Jahren nach unserem letzten Besuch und einer sehr erfolgreich durchgeführten Kastrationsaktion in Rumänien sind wir wieder auf dem Weg nach Bukarest, um das Team RAR – Rumania Animal Rescue und somit unsere 2. Kastrationsaktion zu begleiten.

 

 

Wir – dieses Mal mit einer etwas anderen Besetzung: Steffi, Sabine, Anke, Gabi mit Katrin und Christin, reisen am Abend des 12. Oktober 2017 an. Nina mit ihrem Partner Alex sind bereits seit einigen Tagen in Rumänien, um Ninas 40. Geburtstag gebührlich zu begehen. Wir treffen die beiden und beziehen unser Quartier in einem Hotel etwas außerhalb des Stadtzentrums. Zwei, etwas in die Jahre gekommene und nicht sonderlich vertrauenserweckende „Dacia Logan“ sind ab sofort unsere Fortbewegungsmittel, die uns dennoch Blessuren-frei, aber abenteuerlich durch Rumänien befördern. Anke und Steffi entpuppen sich als äußerst gekonnte und souveräne Fahrerinnen, die dem Verkehrschaos die Stirn bzw. Stoßstange bieten.

 

 

Bereits am nächsten Morgen, Freitag, den 13., können sie ihre Fahrtüchtigkeit unter Beweis stellen, da wir uns mit Aurelian auf halben Weg in einem Randgebiet von Bukarest treffen wollen. Mit einiger Verspätung treffen wir dort ein. Nach kurzer Begrüßung fahren wir ca. 1 Stunde durch Bukarest, um in einem Neubaugebiet außerhalb der Stadt unsere diesjährige Kastrationsaktion zu beginnen.

 

Uns erwarten bereits die ersten Patienten in ihren Boxen vor einem Rohbau eines Mehrfamilienhauses.  

 

 

Wir - werden von drei umherlaufenden schwarzen Hunden empfangen; sie leben dort auf der Straße, sind mit Ohrmarken als kastriert gekennzeichnet und dadurch bei den Anwohnern und Arbeitern akzeptiert.  

 

 

Die Straße ist kaum befestigt, nur wenige Häuser sind schon bewohnt. Dana P. hat diese Kastrationsaktion in dieser Lokalität organisiert. Unser Team wird bereits von Miruna Berzuc, Anda Popescu, Roxana-Elena Stan und Dana Puscoci erwartet. Die Aufgabenteilung erfolgt fast routiniert, nachdem wir uns auf der Baustelle (eine ca. 60 m² große Wohnung) einen Überblick über die Gegebenheiten verschaffen konnten. Es ist neben Baumaterialien und Staub fast komfortabel, auch wenn fließendes Wasser und Toilette nicht zum unmittelbaren Equipment gehören, und der Baulärm ignoriert wird. 

 

 

Alex, Christin und Katrin sind erstmalig dabei und werden von Steffi und Sabine sowie Aurelian in die Tätigkeitsabläufe eingewiesen. Alex, als einziges männliches Pro K-Mitglied ist schnell eingebunden in die Vorbereitung der Hunde und Katzen. Er hat aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Hundetrainer keinerlei Probleme, die scheuen, ängstlichen und vor allem teilweise großen Tiere zu handeln.

 

 

Alex ruhige und besonnene Art überträgt sich schnell auf das Team und natürlich damit auch auf die Tiere. Es herrscht ein freundliche und entspannte Atmosphäre. Katrin und Anke assistieren dem RAR-Team im OP: Die narkotisierten Tiere werden von den beiden auf den 4 vorhandenen OP-Tischen fixiert und die nötigen Vor- bzw. Nachbereitungen der OP getroffen. Die bekannt effiziente und schnelle Arbeit der Ärzte ist legendär. Die ersten Hunde und Katzen werden in die „Recovery-Station“ gebracht, wo sie von Nina, Steffi, Sabine und Christin in Obhut genommen und fachmännisch versorgt werden.

 

 

Einige der Kandidaten lassen deutlich erkennen, wo sie leben. Ungeziefer wird entfernt, Krallen und verfilztes Fell gestutzt. Überaschenderweise sind die Straßenhunde weniger betroffen als die Tiere, die an der Kette oder in Zwingern gehalten werden, da sie mangels Bewegung oft in ihrem eigenen Dreck verweilen müssen. Jedes Tier wird genauestens beobachtet, warmgehalten und liebevoll versorgt. Bis jeder Hund und jede Katze erwacht, bleiben sie in der „Recovery“. In Zweifelsfällen kontrolliert eine der Ärzt/lnnen den Gesundheitszustand und leitet entsprechende Maßnahmen ein, wie beispielsweise bei einem Rüden, bei dem sich durch den Eingriff ein Hämatom gebildet hat. Das „Problem“ wird sofort erkannt und behandelt. Es läuft wie am Schnürchen.

 

 

Zwischenzeitlich fährt Dana in die umliegende Nachbarschaft, um dort einen ganz speziellen Rüden einzufangen, der dort zwar von den Anwohnern versorgt wird (es gibt sogar extra eine Hundehütte für ihn), aber als Straßenhund genau der richtige Kandidat für uns ist. Sein Name ist Jonny. Dana kommt ohne Jonny und erzählt, dass sie ihn fast schon im Kofferraum hat, als er nach ihr schnappt und über ihren Arm hinweg auf die Straße läuft, wo ihn unmittelbar ein Auto erfasst und er verletzt ins nächste Wohnhaus flüchtet. Aurelian fährt mit Gabi direkt zu diesem Notfallpatienten, um ihn im Hausflur gleich zu narkotisieren und einzufangen. Eine junge Rumänin bringt den Rüden in die Klinik „CENTER OF HOPE“. Wir erfahren am nächsten Tag, dass er dort geröntgt und mit einer Schiene versehen und weiter medizinisch versorgt wurde.

 

 

Währenddessen wird auf der „Baustelle“ weiterhin fleißig kastriert. Leider läuft einer alten Frau die Katze davon, sie rennt blitzschnell über die Straße und verkriecht sich. Aber einige Zeit später kommt sie in einer Box doch noch zur Kastration. Die Dame ist überglücklich. Überhaupt ist die Resonanz der Bevölkerung durchweg positiv. Eine rumänische Tierschützerin, Frau Doina Vella, die für eine finnische Tierschutzorganisation Bilder macht und sehr an der Arbeit von Aurelian interessiert ist, erkundigt sich bei uns, wie wir in Deutschland unsere Arbeit für die Kastrationen durchführen. Sie möchte ähnlich dem Pro-K-Prinzip agieren, um durch Präventionen das Tierleid durch Kastrationen und Aufklärung zu lindern.

 

Die inzwischen kaltgewordene Pizza liefert die nötige Energie, um den Nachmittagsansturm zu bewältigen. Eine Straßenhündin mit einem Bauchtumor wird heute hier nicht kastriert, kurzentschlossen wird sie auf die OP-Liste für den nächsten Tag gesetzt. Es scheint nicht aufzuhören….

 

 

Aber keiner macht schlapp, trotz der staubigen und warm-feuchten Luft. Selbst als Katrin plötzlich durch ein defektes Stromkabel in Rauch und Flamme steht, der Strom dadurch ausfällt, arbeiten alle konzentriert und motiviert weiter. Bis ca. 17.00 Uhr dauert die heutige Kastrationsaktion, alle helfen fleißig mit, das mobile Kastrationszentrum in diesem kleinen Dorf wieder in eine Neubauwohnung zu verwandeln, als Aurelian verkündet, dass wir noch an diesem Abend in die ca. 60 km entfernte Klinik „Center of Hope“ fahren müssen, da dort noch rund 10 Hunde zu kastrieren seien. Bis auf Nina und Katrin sind alle eingeweiht, und wir bewältigen die Fahrt durch die Rushhour in Bukarest. Mitten in der City läuft ein kleiner schwarzer Hund herrenlos über den Zebrastreifen und verursacht dadurch ein heftiges Verkehrsaufkommen… Die Rumänen sind aber tierlieb, er wird nicht überfahren…. Darüber hinaus haben wir oft festgestellt, dass die Rumänen den Tieren gegenüber meist freundlich gesonnen sind, geduldete Straßenhunde führen oft ein gutes und freies Leben.

 

 

Nach Einbruch der Dunkelheit erreichen wir endlich unser Ziel; Aurelian treibt uns zur Eile an und die Überraschung gelingt. Die Mitarbeiterinnen des Centers empfangen uns singend mit „Happy Birthday“ und Geburtstagstorten für Katrin und Nina…. Ein schöner Abschluss an diesem Abend, und sicher ein unvergessener und unvergleichlicher 28. Geburtstag für Katrin.

 

Am nächsten Morgen starten wir direkt nach dem Frühstück hochmotiviert. Heute findet im Center of Hope der 2. Teil unserer Kastrationsaktion statt. Aber wie sollte es anders auch sein, eines der beiden Autos springt nicht an…. Also erst einmal im Hotel nach einem Starthilfekabel fragen… ein netter rumänischer Mitarbeiter erledigt die Starthilfe und wir können endlich starten.

 

 

An diesem sonnigen Morgen fallen uns einmal mehr die vielen Hunde am Straßenrand auf, die dort entspannt liegen oder zum Zeitvertreib vorbeifahrende Autos jagen; für uns ein eher ungewohnter Anblick, und wir hoffen, dass die meisten bereits kastriert sind.

 

 

In der Klinik ist schon einiges los, die ersten Tiere warten auf ihre Narkose. Hierbei stellt sich wieder einmal heraus, dass die kleinen doch die „gefährlicheren“ Hunde sind. Neben einem großen, völlig entspannten Schäferhund haben die Mitarbeiterinnen der Klinik große Not, diese kleine blonde – etwas zickige – Dame einzufangen und zu narkotisieren, nach dem sie geschickt der ersten Nadel entwichen ist…. Sie möchte nur noch raus. Aber auch sie entkommt nicht dem beherzten Zugreifen der souveränen Anda.

 

 

Und schon geht es los. Die Aufgaben sind auch dieses Mal schnell verteilt. Katrin und Anke- chic mit Haube und Schuhkondomen ausgestattet, assistieren im OP. Fast wortlos läuft der Operationsablauf, die beiden wissen bereits was zu tun ist.  

 

 

Sabine, Steffi, Christin und Nina haben auch heute nur wenig Platz, um die noch unter Narkose stehenden Tiere zu versorgen. Auch hier arbeitet man mit der gleichen Hingabe wie am Vortag. Die Atmosphäre in der Klinik vermittelt jedem das Gefühl von Professionalität. Das Center of Hope verfügt über modernste medizinische Technik (OP-Beleuchtung mit Videoübertragung, Sterilisationsgeräte, live-Übertragung des Röntgenraumes, und viele moderne Geräte erleichtern den Ärztinnen und Ärzten die Behandlung der Vierbeiner. Die Ausstattung ist großzügig, hell und freundlich. Alles ist sehr sauber und ordentlich. Man fühlt sich irgendwie „daheim“. Das Team vom Center of Hope arbeitet unermüdlich und hochmotiviert.

 

 

Zwischenzeitlich kommen mit dem großen Transporter rund 35 Transportboxen an, die sofort fein säuberlich aufgereiht werden. In jeder dieser Boxen wartet mindestens ein Patient, der heute kastriert werden soll. Es sind allesamt tolle Hunde, einige lautbellend, andere ängstlich, viele haben Stress und sie verstehen alle nicht, was geschieht. Aber ihre Kastration ist ein Schritt in eine bessere Zukunft für die Tiere der Straße von Rumänien.

 

 

Wir helfen beim Ausladen, und die Tiere werden zügig behandelt. Unsere Patientin vom Vortag wartet noch auf ihren Eingriff, da sie gleichzeitig von ihrem großen Bauchtumor operativ befreit werden soll. Die ruhige Hündin lässt sich ohne Probleme über das weitläufige Gelände führen, um sich vor der OP noch zu erleichtern.

 

 

Während der routinierten Kastrationsaktion trifft eine Tierschützerin mit weiteren Hunden ein. Es sind durchweg Problemfälle. Ein großer mit Beinbruch, ein sehr großer mit unerklärlichem Gewichtsverlust (sein Herrchen starb vor kurzem), eine kleine halbblinde Hündin, die man Frau Ritter (quadratisch… praktisch… gut) hätte nennen können…. Alex ist bei der Patientenaufnahme und Erstuntersuchung behilflich. Die Tierärztin bespricht das weitere Vorgehen mit ihren Kollegen. Auch diesen Patienten wird heute noch geholfen. Nebenbei erholen sich in den Nebenräumen weitere Tiere von vorherigen Eingriffen.

 

 

Zum Beispiel: Das kleine Kätzchen eines mittellosen Dorfjungen, dessen Beinchen hier kostenlos operiert wurde.

 

 

 

Aurelian erklärt uns, dass die gesammelten Spenden ausschließlich für die Behandlung der Tiere von mittellosen Menschen, die kaum selbst genug für sich haben, eingesetzt werden. Der überwiegende Teil der Bevölkerung liebt seine Tiere sehr, kann sich aber die Behandlung und erst recht keine Kastration leisten. Viele Besitzertiere leben „auf der Straße“; eben anders als in deutschen Haushalten.  

 

 

Einmal mehr fühlen wir uns darin bestärkt, diese Art von Tierschutz weiter zu betreiben, und mit unserem Glücksrad in Deutschland die Menschen zu motivieren, Kastrationen zu unterstützen…. Denn jede Kastration ist ein HAUPTGEWINN!!

 

 

Der Tag vergeht wie im Flug, und es konnten an diesem Tag durch die Unterstützung von Pro K nicht nur 36 weitere Tiere kastriert, sondern auch noch die finale Operation der „Tumordame“ durchgeführt werden. Sie wird nach einigen Tagen und verheilten Narben wieder auf die Straße zurückkehren.  

 

 

Erschöpft, aber glücklich über das Ergebnis, an 2 Tagen insgesamt 92 Tiere kastriert zu haben, verabschieden wir uns. Hochmotiviert mit dem festen Ziel, im nächsten Jahr wieder zu kommen und weiteres Elend zu verhindern, brechen wir am nächsten Morgen zum Flughafen auf… Und als sollte auch das so sein, begegnen wir am Flughafen zwischen hektischen Reisenden, hupenden Fahrzeugen auf eine einäugige Hündin, deren Gesäuge deutlich zeigt, wie wichtig die Kastration von Straßenhunden ist, denn niemand von uns weiß, ob ihre Welpen noch leben.